Beim Prozess des Verzerrens werden Erfahrungen auf verschiedene Arten umgewandelt. Meistens werden Sie so verdreht, dass Sie einen Menschen stark in seinen Handlungsmöglichkeiten einschränken.
* Nominalisierungen
In unserer Sprache kommt es sehr häufig vor, dass wir aus einem Prozess ein Ereignis machen. Wir sagen
zum Beispiel "Ich bin froh über meine Entscheidung." Das Wort "Entscheidung" bildet ursprünglich den Prozess
"entscheiden über etwas" ab. Dieser Prozess wurde hier in eine Nominalisierung verwandelt und beschreibt nun
nur noch ein Ereignis. Tatsächlich ist aber das, was hier als Ereignis beschrieben wird, ein fortlaufender
Prozess, der durchaus noch verändert oder beeinflusst werden kann. Die sprachliche Formulierung mit der
Nominalisierung lässt jedoch eine solche Sichtweise nicht zu.
Durch das Hinterfragen können
getilgte
Informationen wiedergewonnen und Nominalisierungen zu Prozessworten
zurückverwandelt werden. Dies führt zu einer Erweiterung bzw. Vervollständigung des
Modells
der Welt des Sprechers und kann einen Wandlungsprozess einleiten.
Beispiel |
Frage |
Meine Entscheidung, den Job nicht anzunehmen, liegt mir schwer im Magen. |
Was hindert Dich daran, anders zu entscheiden? |
|
Was hindert Sie daran, Ihre Entscheidung zu ändern? |
|
Was würde passieren, wenn Sie es sich noch einmal überlegen würden und den Job doch annehmen? |
Ich bin voller Hoffnung. |
Worauf hoffen Sie? |
Meine Überzeugung hat sich nicht verändert. |
Wovon sind Sie überzeugt? |
Die Frustration ist einfach zu groß für sie |
Worüber ist sie frustriert? Was erlebt sie genau? |
Wenn Sie Schwierigkeiten haben, Nominalisierungen zu erkennen, dann überlegen Sie, ob man den entsprechenden Gegenstand in einen Schubkarren legen kann. Einen Stuhl kann man hinein legen, eine Entscheidung, Überzeugung, Hoffnung, Vertrauen, Liebe kann man nicht hinein legen, denn sie sind Nominalisierungen.
* Vorannahmen
Die Vorannahmen eines
Modells
drücken sich sprachlich in Präsuppositionen aus. Das sind Aussagen, die wahr
sein müssen, damit der Satz einen Sinn ergibt.
Beispiel |
Frage |
Wenn du wieder so eklig zu mir bist, gehe ich nicht mit dir aus. |
Was genau erschien dir eklig? |
Inzwischen hast du Fortschritte gemacht. |
Woher weißt Du, dass ich vorher nicht gut war? |
Wenn du klug wirst, wirst du meine Entscheidung verstehen. |
Was lässt dich annehmen, dass ich nicht klug bin? |
Wodurch hat sich Ihre Einstellung verändert? |
Was lässt sie glauben, dass meine Einstellung sich verändert hat? |
Du bist genauso egoistisch wie dein Vater. |
Was bringt dich dazu, anzunehmen, dass mein Vater egoistisch ist? |
* Ursache - Wirkung Die sprechende Person geht von der Annahme aus, dass ihr Gesprächspartner eine Handlung ausführt, die ihren inneren Zustand auslöst. Dabei gewinnt man den Eindruck, die sprechende Person hätte keine Wahl und müsse das Gefühl erfahren.
Beispiel |
Frage |
Du machst mich wütend. |
Wie genau mache ich dich wütend? |
Das Augenzwinkern der fremden Frau lenkt mich ab. |
Wie genau bewirkt das Augenzwinkern, dass du abgelenkt wirst? |
Du zwingst mich, Konsequenzen zu ziehen. |
Wie genau zwinge ich dich? |
Du deprimierst mich. |
Wie genau deprimiere ich dich? |
Ich bin traurig, weil Du mich vergessen hast. |
Wenn ich dich nicht verlassen hätte, wärst du dann nicht traurig? |
Ich möchte nicht zornig werden, aber sie hört nicht auf, mich zu kritisieren. |
Werden Sie immer zornig, wenn man Sie kritisiert? |
Tatsächlich ist es aber unmöglich, dass ein Mensch in einem anderen Menschen Gefühle erzeugt. Sie reagieren mit Gefühlen auf Interaktionen mit anderen, aber Sie erzeugen Ihre Gefühle selbst. Hier wird die Verantwortung für Gefühle nach außen verlagert, wo sie nicht mehr der eigenen Kontrolle unterliegen. Hinterfragen Sie in einem solchen Fall die Aussage, so dass die Verantwortung für die Reaktion wieder selbst übernommen wird.
* Gedankenlesen Oft kommt es vor, dass unser Gegenüber genau zu wissen glaubt, was wir denken oder fühlen, ohne überhaupt einen direkten Anhaltspunkt zu haben.
Beispiel |
Frage |
Ich weiß genau, was du jetzt denkst. |
Woher weißt du was ich denke? |
Wenn du mich lieben würdest, würdest du tun, was ich von dir erwarte. |
Woher weißt du, dass ich weiß, was du von mir erwartest? |
Ich weiß, was das beste für dich ist. |
Woher im einzelnen weißt du das? |
Nie denkst du an mich. |
Woher weißt du, dass ich nie an dich denke? |
Gedankenlesen kann darin bestehen, unbewusste Signale zu interpretieren und sie dann auszusprechen.
Damit können Sie zwar häufig richtig liegen, aber manchmal auch ganz schön daneben! Warum sollten Sie eine
vage Vermutung anstellen, wenn Sie doch auch fragen können?
* Verlorener Performativ
Eine Äußerung über eine Regel, die sich so anhört, als gelte sie für die ganze Welt. Dabei ist die
Information verloren gegangen, auf wen oder was sich diese Regel bezieht, bzw. wen sie betrifft.
Beispiel |
Frage |
Es ist falsch, andere Menschen zu töten. |
Wer sagt das? |
Das tut man nicht. |
Wer behauptet das? |
Zu viel arbeiten macht krank. |
Woher weißt du das? |
Durch solche Sätze präsentiert Ihnen Ihr Gesprächspartner eine Annahme, die in seinem Modell der Welt Gültigkeit hat. Übernehmen Sie nicht automatisch die Regeln einer anderen Person, sondern prüfen Sie, ob sie auch für Sie Gültigkeit hat.
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